Kongress 2017

Ungemütliche Zukunft?

Den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und insbesondere den Bevölkerungs- und Katastrophenschutzverantwortlichen stehen große Herausforderungen bevor. Das glaubt Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Er prognostizierte auf dem Bürgermeisterkongress des Behörden Spiegel in Bonn: “Wir glauben, dass es ungemütlicher wird. Wir müssen uns auf eine neue Bandbreite an Herausforderungen einstellen.” Dazu zählten neben dem Ausfall von Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) unter anderem Angriffe aus dem digitalen Raum sowie terroristische Bedrohungen. Um auf all das angemessen reagieren zu können, seien Reformen erforderlich. So müssten etwa die Zivilverteidigung verbessert und Gesetze angepasst werden.

Referenzszenarien werden entwickelt

Des Weiteren würden nun gemäß der “Konzeption Zivile Verteidigung” (KZV) in einem ersten Schritt, mehrere Referenzszenarien mit Bund und Ländern entwickelt. “Das gilt zum Beispiel für einen Massenanfall von Verletzten kriegerischen Ausmaßes. Ein neues Konzept zur Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktionen im Spannungs- und Verteidigungsfall liegt bereits vor”, meinte Unger. Wie wichtig deshalb ein effektives Krisenmanagement ist, unterstrich wiederum Christian Kromberg von der Stadtverwaltung Essen. Der Beigeordnete und Geschäftsbereichsvorstand für allgemeine Verwaltung, Recht und öffentliche Sicherheit und Ordnung betonte: “Krisenmanagement geht weit über eine Katastrophe hinaus.” Aus seiner Sicht sollten derartige Kompetenzen in jeder Stadtverwaltung vorgehalten werden und nicht nur eine Aufgabe der Feuerwehr sein. Denn: “Krisenkommunikation ist etwas ganz anderes als die reguläre Alltagskommunikation einer Verwaltung.” Deshalb seien gemeinsame Übungen unterschiedlicher Krisenstäbe auch derart wichtig, so Kromberg weiter. Und der Kommunalpolitiker machte noch eine weitere Herausforderung aus: Der Umgang mit freiwilligen Spontanhelfern. Seines Erachtens müsste es in jedem Krisenstab einen Verantwortlichen geben, der sich dauerhaft mit dieser Personengruppe auseinandersetzt.

Wie ein Krisenstab hingegen eine Attacke aus dem digitalen Raum bewältigt, beleuchtete Dr. Nicolas Krämer. Der kaufmännische Direktor und Chef des Krisenstabes im Lukaskrankenhaus von Neuss machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass der Angriff die Abläufe in der Klinik zwar massiv gestört habe, es aber keinen Ertrags- oder Vertrauensverlust gegeben habe. Nach der Attacke hatten die Verantwortlichen um Krämer übrigens entschieden, alle IT-Systeme des Krankenhauses herunterzufahren.

Fotos: BS/Feldmann